Die häugigsten Filmschäden - und was man tun kann

Dye Fade Effect / Rotsich bzw. Farbstich

Viele Farbfilme aus den 1950er bis 1070er Jahren weisen heftige Farbstiche auf, meistens in Richtung Rot oder Magenta. Das liegt daran, das die verwendeten, organischen Farbstoffe über die Jahre ihre molekulare Bindung verlieren und so vor allem Gelb und Cyan aus den Farbschichten des Filmmateriales verschwinden. Es spielt dabei keine Rolle, ob Super8, 16mm oder 35mm Film, der Prozess findet überall gleich stark statt. Vor allem handelt es sich um einen eher reinen Alterungsprozess, das heißt, auch eine gute Lagerung kann diesen Effekt nicht wirklich verhindern - nur verlangsamen, so wie die meisten organischen Prozesse zur Kälte verlangsamt werden können. Aber leider ist es dazu oft zu spät, da der Dye-Fade-Effect bzw. der Farbstich bereits wenige Jahre nach der Herstellung bzw. Entwicklung des Farbfilmmateriales entstanden ist.  Zum Glück gab es auch viele Materialien, die sehr stabil waren und auch nach 50 Jahren noch tolle Farben wiedergeben können. Dieser Dye-Fade-Effect ist ein Grund, warum es oft sinnvoll ist, bei der Digitalisierung in mehrere Rollen des gleichen Filmes zu schauen, soweit vorhanden, da der Prozess sehr unterschiedlich schnell voranschreitet.

Und auch wenn ein 16mm oder 35mm Film im Archiv auf den ersten Blick schlimm aussieht, es gibt doch Chancen, die Farben wieder einigermaßen herzustellen, wie im Bild oben zu sehen. In der Farbkorrektur bei uns können wir mit den richtigen Schritten den Farbstich / Dye-Fade-Effect zumindest teilweise rückgängig machen und so audiovisuelle Medien in einer "echten" Retro-Digitalisierung wider anschaubar machen.

 

WAS KANN MAN IM AV-MEDIENARCHIV TUN?

 

Kühl und trocken lagern. Der Prozess verläuft, wenn der Farbstich einmal da ist, relativ langsam und kann nur sehr bedingt gebremst werden. Aber es ist auch nicht so, das er jetzt täglich schlimmer wird. Dennoch: Alsbald ans Digitalisieren denke.

Lagerung am besten unter 20 Grad bei 35% Luftfeuchte.

 

WAS IST BEI DER RETRO-DIGITALISIERUNG ZU BEACHTEN?

 

Wichtig ist, den Film nicht nur in einer restaurierten, farbkorrigierten Version zu sichern, sondern man sollte auch immer einen Scan mit dem Farbstich behalten oder zumindest so, das Farbkanäle ( Rot Grün Blau / RGB ) ohne Clipping, also Beschnitt der Bildinformationen erhalten bleiben, sichern. Denn das wäre für eine künftige Restaurierung der Filmfarben, z.B. mittels KI, die zwingende Grundlage. 

Essigsäure-Syndrom / Vinegar-Syndrom

Diese Form der Filmschädigung ist mit einer der häufigsten. Befallen werden davon hauptsächlich 16mm Filme, aber auch 35mm Filme, sehr selten bis gar nicht 8mm Filme. Das Essigsäure-Syndrom kommt nur bei Filmen auf Basis von Celluloseazetat vor, dem übliche Trägermaterial für alle 16mm Filme ab der Einführung in den späten 1920er Jahren ( 35mm Filme verwendeten auch noch lange Cellulosenitrat, heute Polyester und nur in einer Zwischenphase parallel auch Celluloseazetat ). In neuerer Zeit wurden auch für 8mm und 16mm Filme Polyester-Träger verwendet.

Wenn Celluloseazetat feucht wird, z.B. bei der Lagerung, lösen sich die Celluloseesther-Ketten, das Material wird instabil, brüchig , wellig und weich, bis man es schließlich nicht mehr digitalisieren kann. Dabei wird natürlich auch früh die Emulsionsschicht des Filmes beschädigt, vor allem auch, weil beim chemischen Prozess des Zerfalls der Esther-Ketten Essigsäure entsteht.  Schäden können so aussehen wir im Bild oben, zu Beginn des Essigsäure-Syndroms. 

Erkennen kann man das Essigsäure-Syndrom durch einfaches Riechen in die Filmdosen. Ein starker Essiggeruch schlägt einem schon früh entgegen.

 

WAS  KANN MAN IM AV-MEDIENARCHIV TUN?

 

Das Essigsäure- oder Vinegar-Syndrom ist nicht ungefährlich, da es "ansteckend" ist. Denn die dabei entstehende Essigsäure greift auch in der Nachbarschaft "gesunde" Filme an und kann andere schädliche Prozesse hervorrufen oder beschleunigen.

Trockene, kühle Lagerung verlangsamt den Prozess auf jeden Fall sofort.

Vom Vinegar-Sysndrom befallene Filme sollten umgehend separiert werden.

Eine Digitalisierung sollte tatsächlich schnellstmöglich erfolgen, um Inhalte zu retten. Bereist ein Jahr hin oder her macht einen sichtbaren Unterschied!

 

WAS IST BEI DER RETRO-DIGITALISIERUNG ZU BEACHTEN?

 

Wir haben festgestellt, das geringfügige Schäden an der Emulsion durch einen Wetgate-Scan reduziert werden können ( siehe Wetgate ) und das die Wellung des Filmes, besonders bei 16mm Film, durch spezielle Filmgates und eine hohe Schärfentiefe beim Scan , teils ausgeglichen werden kann. "Wandernde" Schärfe im Bild vor allem von Seite zu Seite sollte so gering wie möglich gehalten werden. Viele Scänner arbeiten mit fixen Objektiven und Blenden, so das oft kein Enfluß genommen werden kann. Im nachhinein kann das aber nicht korrigiert werden.